Anti-Aging

Auszug aus der Bild am Sonntag vom 02.02.2003

Anti-Aging-Mittel machen älter
Beunruhigende Studienergebnisse
Von B. Schwedhelm

Erst kommen die Falten und graue Haare, irgendwann folgen die lästigen Altersbeschwerden. Für viele Menschen stellt Älterwerden offenbar eine ernste Erkrankung dar, die in ihren Augen mit Medikamenten behandelt werden muss. Einige Mediziner kommen diesem Wunsch gern nach. Die Deutsche Gesellschaft für Anti-Aging zählt schon mehr als 600 Ärzte und Kliniken, die ihren Patienten teure Therapien mit Hormonen und Aufbaupräparaten zusammenstellen.
Der Gedanke, der dahinter steht, klingt einfach: Mit zunehmendem Alter produziert der Körper immer  weniger Wachstums- und Sexualhormone. Also muss man diese ersetzen, dann verzögert man das Altern.

Wirklich? “Bei den üblichen Anti-Aging-Therapien gibt es bis jetzt keinen Beweis für eine Wirksamkeit bei gesunden Menschen”€, sagt Hormonforscher Prof. Andreas F.H. Pfeiffer vom Berliner Uni-Klinikum “Benjamin Franklin”€. “Die Anhebung eines Hormonspiegels im Blut bedeutet noch keinen Erfolg. Diese Behandlungen sind ein riesiger, unkontrollierter Menschenversuch”€, ergänzt Prof. Martin Reincke von der Uni-Klinik Freiburg, Sprecher der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie.
Beunruhigende  Studienergebnisse deuten sogar darauf hin, dass einige Anti-Aging-Mittel mehr Schaden anrichten können, als sie nützen. Ironischerweise  begünstigen sie ausgerechnet typische Alterserkrankungen. Dies sind die Mittel, um die es geht:

Wachstumshormon (GH)
Im Alter nimmt die körpereigene Produktion dieses Hormons, das für Aufbau  und Regeneration von Zellen wichtig ist, immer weiter ab. Doch das hat  seinen Sinn, fanden US-Mediziner jetzt heraus: In einer Studie traten bei mit GH behandelten Männern überdurchschnittlich häufig  Altersdiabetes und seine Vorform (Glucose-Intoleranz) auf. “Das überrascht nicht”€, urteilt Experte Professor Pfeiffer. “Die Nebenwirkung tritt auch bei Menschen auf, die wegen einer schweren Erkrankung mit GH behandelt werden müssen”.€ Spätfolgen von Diabetes sind Nieren-, Augen-  und Herzerkrankungen. Bei Tieren traten unter GH-Behandlung vermehrt Krebsgeschwülste auf.

Testosteron
Weil der Spiegel des Sexualhormons ab dem 40. Lebensjahr sinkt, lassen sich viele Männer Testosteron verabreichen. Eine unter Umständen gefährliche Therapie: “Testosteron ist ein bekannter Faktor, der das Wachstum eines bis dahin unerkannten Prostatakrebses beschleunigen kann”, so Professor Reincke.

Weibliche Hormone
Im vergangenen Jahr wurde eine große Studie mit mehreren tausend Frauen  zum Hormonersatz in den Wechseljahren (Östrogene plus Gestagene) abgebrochen, weil die behandelten Frauen häufiger an Schlaganfällen,  Herzinfarkten, Thrombosen und Brustkrebs erkrankten. Die Deutsche  Gesellschaft für Endokrinologie urteilt deshalb, “dass eine kombinierte Hormonersatztherapie in der dargestellten Form mit Risiken verbunden ist, die gegen ihre präventive Verwendung zum Schutz der Gesundheit, also als “Lifestyle-Medikation” spricht.

DHEA
Der Stoff DHEA ist eine Vorform sowohl von weiblichen als auch von männlichen Sexualhormonen und spielt außerdem eine Rolle bei der Erzeugung von Emotionen und dem Gedächtnis. “Auch hier gibt es keine Studien bei alternden Menschen, die eine Leistungssteigerung oder  Verjüngung beweisen”, so Professor Reincke. Normalerweise gilt ein zu  hoher DHEA-Spigel im Blut bei Frauen sogar als Risikofaktor für  möglichen Brustkrebs.

Melatonin
Bei Schlafstörungen, die zum Beispiel durch einen Jetlag nach  Interkontinentalflügen entstehen, ist das Hormon der Zirbeldrüse in der Tat wirksam. In der Anti-Aging-Medizin wird es jedoch als “Mittel gegen alles” propagiert. “Für eine Hemmung der Krebsentstehung beim Menschen  oder ähnliches gibt es jedoch keine Beweise”, sagt Professor Reincke. “In Einzelfällen löste die Einnahme von Melatonin dagegen schwere  Depressionen aus€”.

“Wir brauchen dringend ernst zu nehmende, langfristig angelegte Studien zu Wirkungen und Nebenwirkungen der genannten Behandlungsformen”, fordert  der Freiburger Hormonspezialist Reincke. “Das Bundesministerium für Forschung sollte sich unbedingt dieser Problematik annehmen. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist eine Hormontherapie bei gesunden Menschen eigentlich unärztlich”.

 

Gibt es denn gar nichts, das länger jung hält? “Nur ein gesunder Lebensstil mit Bewegung, vitamin- und ballaststoffreicher Ernährung und der  Einschränkung von Suchtmitteln”, sagt Professor Pfeiffer.
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